Mit Knast, Folter und
Militär Seit dem Regierungswechsel von 2000 versucht Präsident Fox der Weltöffentlichkeit ein demokratisches Mexiko zu präsentieren, welches die Menschenrechte respektiere. Dem entgegen steht die Tatsache, dass immer wieder Mitglieder sozialer Organisationen grundlos des Mordes, des Drogenhandels oder des Raubes beschuldigt werden, um die Bewegungen zu lähmen. So auch im Bundesstaat Guerrero, wo seit fünf Monaten der Umwelt- und Menschenrechtsaktivist Felipe Arreaga Sánchez inhaftiert ist. Der Gründer der Campesino- und Umweltschutzorganisation „Organización Campesina Ecologista de la Sierra de Petetlán (OCESP)” sitzt seit November 2004 im Gefängnis von Zihuatanejo. Felipe Arreaga, der sich seit dreißig Jahren gegen die illegale Abholzung der Wälder und für den Schutz der natürlichen Ressourcen in der Sierra von Petatlán einsetzt, erklärt sich seine unrechtmäßige Inhaftierung als späte Strafaktion lokaler Holzunternehmer-Cliquen, die eng mit den kommunalen Funktionären verknüpft sind und von den Militärs unterstützt werden. Mordende Tote? Dem Campesino und Umweltaktivisten wird ein Mord vorgeworfen, bei dem 1998 der Sohn des Holzunternehmers Bernardino Bautista Valle erschossen wurde. Zeugenaussagen und eine Videoaufzeichnung bestätigen jedoch die Anwesenheit Felipe Arreagas zur Tatzeit an einem Hochzeitsfest in einem weit entfernten Dorf. Im gleichen Fall wurde gegen 13 WeggefährtInnen von Felipe Haftbefehl erlassen. Einer der Angeklagten heißt Crespín Cortez Santana. Ein Holzkreuz an der Landstraße zeigt an wo und wann dieser ermordet wurde: „Am 31.3.1996 starb Crespín Cortez Santana im Alter von 26 Jahren“. Zwei Jahre vor dem Mord, der den 14 AktivistInnen vorgeworfen wird. Es ist zu befürchten, dass mit der Inhaftierung ein Exempel an dem 56-jährigen Felipe Arreaga statuiert werden soll, um ihn und seine MitstreiterInnen im Kampf gegen die Zerstörung des empfindlichen Ökosystems der Sierra von Petatlán einzuschüchtern. Mordanschuldigung als häufig verwandte Methode zur Beseitigung von Oppositionellen erinnert an die Zeiten des “schmutzigen Krieges” der 70er und 80er Jahre in Mexiko. Doch, wie es scheint, gehören diese Praktiken nicht der Vergangenheit an, und wurden auch in den 90er Jahren fort geführt. Militarisierung, Folter und erzwungene Geständnisse Im
Jahr 1999 werden Rodolfo Montiel und Teodoro Cabrera vom Militär
festgenommen, Salomé Sánchez Ortiz wird bei dem rabiaten Einsatz getötet.
Alle drei sind damals aktive Mitglieder der 1997 gegründeten Campesino-
und Umweltschutzorganisation OCESP. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre
sind die Auseinandersetzungen zwischen skrupellosen Holzunternehmern und
Militär auf der einen Seite, sowie den gegen Raubbau kämpfenden
Campesinos auf der anderen Seite zu einem Höhepunkt gelangt. 1998 hatte
sich das kanadische Holzunternehmen Boise Cascade aus der Region zurückgezogen
und hinterließ ein ökologisches Desaster. Bei der Ausbeutung der natürlichen
Ressourcen hatte die Firma nicht selten die festgesetzten Mengen überschritten,
wie zahlreiche in OCESP organisiert Campesinos bestätigen, die bei Boise
Cascade angestellt waren. Zwischen den Jahren 1992 und 2000 wurden die
bewaldeten Flächen der Region zu 40% abgeholzt, wie die Nationale
Biodiversitäts-Kommission mittels Satellitenbilder ermittelte. Die starke
Entwaldung führt zu Erosion, Verarmung der Böden und Senkung des
Grundwasserspiegels. Letztlich fehlt den Kleinbauern das für die
Bearbeitung ihrer Parzellen nötige Wasser. Grund genug für sie, sich im
Widerstand gegen die maßlose Abholzung zu organisieren. Im Februar 1998
sperren Mitglieder von OCESP für einen Tag sämtliche Straßen in die Region
der Sierra von Petatlán, um den Abtransport des Holzes zu blockieren. |