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Mit der EZLN nach Mexico-Stadt
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Aufständische Indigenas
aus Chiapas machen sich auf den Weg (Mexiko-Stadt, 20. Februar 2001).- Der Countdown läuft: Am kommenden Wochenende versammelt sich fast die komplette Führung der aufständischen Zapatisten in der Stadt San Cristobal im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas. Von dort aus werden die 24 Delegierten einschließlich ihres charismatischen weißen Sprechers Subcomandante Marcos einen zweiwöchigen "Marsch" auf die Hauptstadt antreten, der sie durch insgesamt zwölf Bundesstaaten führt. Schon im Vorfeld ist klar, dass die Aktion der maskierten Zapatisten auf jeden Fall zu einem Medienspektakel wird. Offizielles Ziel der indigenen Rebellen, deren Kriegserklärung an den mexikanischen Staat am 1. Januar 1994 weltweit für Aufsehen sorgte, sind Gespräche mit den Kongressabgeordneten über eine umfassende Gesetzesreform zu den Rechten und der Kultur der mexikanischen Indigenas. Ein entsprechender Entwurf wurde bereits 1996 von der parteiübergreifenden Parlamentskommission zum Chiapaskonflikt, der Cocopa, ausgearbeitet. Er bezog sich auf die zwischen der Regierung und der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) ausgehandelten Vereinbarungen von San Andres. Die Initiative hatte die Zustimmung der Zapatisten, wurde aber vom damaligen Präsident Ernesto Zedillo blockiert. Für die weiteren Friedensverhandlungen bedeutete das den Todesstoß. Die EZLN verlor jegliches Vertrauen in die regierende Revolutionäre Institutionelle Partei (PRI). Zedillo beschränkte sich darauf, den Konflikt in Chiapas auszusitzen und Armee sowie Paramilitärs einen schmutzigen Kleinkrieg gegen die zapatistische Basis führen zu lassen. Erst seit dem Amtsantritt von Vicente Fox im Dezember, der gleichzeitig eine 71-jährige PRI-Herrschaft in Mexiko beendete, gibt es wieder gewisse Hoffnungen auf eine endgültige friedliche Lösung mit den Zapatisten. Fox, der im Wahlkampf mehrfach betonte, er könne den Konflikt in einem 15-minütigen Gespräch mit Subcomandante Marcos lösen, veranlasste mehrere entspannende Maßnahmen. Er brachte den Cocopa-Entwurf gegen Widerstände seiner konservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN) ins Parlament ein, wo er ab Mitte März diskutiert wird. Ebenso verfügte Fox einen Teilrückzug der Truppen in Chiapas. Geräumt wurden unter anderem vier von sieben Militärstützpunkten, deren Schließung die EZLN explizit einforderte. Der - ebenfalls neu gewählte - chiapanekische Gouverneur entließ mehrere Dutzend von insgesamt gut hundert zapatistischen Häftlingen, die zum Teil unter fadenscheinigen Anklagen seit Jahren inhaftiert waren. Die Zapatisten wolle alle Häftlinge frei und alle sieben Armeeposten geschlossen sehen. Das gehört zu ihren Vorbedingungen für die Aufnahme von Gesprächen mit der Regierung. Aber sie haben die bisherigen Signale trotz aller ausgedrückten Zweifel als positiv gewertet. Ihr Marsch in die Hauptstadt, der von zahlreichen Kommuniques seit Jahresbeginn vorbereitet wird, kann auch als Flucht nach vorne und Reaktion auf den Protagonismus des Präsidenten bezeichnet werden. Nachdem mehrere Versuche scheiterten, landesweit dauerhaft eine zivile Massenbasis aufzubauen, mobilisiert die EZLN mit ihrer Aktion derzeit wieder viele Menschen. Im Bundesstaat Oaxaca werden beispielsweise Mitglieder aus mehr als 80 Organisationen die 24 Delegierten auf ihrem Weg begleiten. Nicht umsonst haben die Zapatisten auf den kürzesten Weg nach Mexiko-Stadt verzichtet. Bereits am 27. Februar befinden sie sich im keine zwei Busstunden von der Hauptstadt entfernten Puebla. Doch die EZLN-Kommandenten, die jahrelang in ihrem Kerngebiet im Lakandonen-Urwald eingekreist waren, umkreisen dann noch zehn Tage die Metropole, um in den umliegenden Bundesstaaten möglichst viele Kontakte aufzunehmen. Dank der zapatistischen Präsenz werden auf dem III. Nationalen Indigena-Kongress Anfang März im nördlichen Bundesstaat Michoacan bis zu 10.000 Teilnehmer erwartet. Der "Einmarsch" in die Hauptstadt am 8. März folgt öffentlichkeitswirksam der Route des mexikanischen Revolutionshelden Emiliano Zapata. Der Regierung ist die erfolgreiche Publicity für die EZLN nicht entgangen. Präsident Fox zeigte sich anfangs wenig begeistert von der Idee, die Zapatisten praktisch vor seiner Haustür zu haben. Dazu kommt, dass die linksgemäßigte Stadtregierung die Delegation schon zu "Ehrengästen" erklärt hat. Da er den Marsch nur mit Gewalt verhindern könnte, scheint der Präsident es vorzuziehen, sich lieber an die Spitze der Unterstützer zu stellen. "Wir haben uns entschlossen, ihn zum Marsch für den Frieden zu machen", verkündete er erst vor wenigen Tagen. Fox rief "die ganze Nation" auf, der zapatistischen Karawane den Weg frei zu machen. Ein direktes Treffen mit der EZLN-Führung, die unter Umständen längere Zeit in Mexiko-Stadt weilen wird, will er nicht ausschließen. Ein Friedensabkommen sei "innerhalb von Wochen" in Sicht. Die
vom Präsidenten ernannte Leiterin des neu geschaffenen Büros für die
Entwicklung der Indigena-Völker bezeichnete Kritiker der Zapatisten aus den
Reihen von PAN, PRI, der Privatwirtschaft und der katholischen Kirche sogar
als "rassistisch" und "ignorant". Bei soviel
Regierungszuspruch kann es der EZLN fast bange werden. An der stark an
unternehmerischen Kriterien ausgerichteten Vision von Fox, der die Indigenas
"in die menschliche und wirtschaftliche Entwicklung eingliedern"
will, haben die Zapatisten wiederholt Zweifel geäußert. Ihr Interesse an
einem sofortigen Termin mit dem Staatschef hält sich zumindest öffentlich
bisher in Grenzen. Dagegen kommt es voraussichtlich am 12. März zu einem
ersten Treffen mit den Kongressabgeordneten. |