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Mit der EZLN nach Mexico-Stadt

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Y la Selva se movió: mit der EZLN auf dem Weg nach D.F.

Vom 25.02. bis zum 11.03. machten sich 23 Comandantes und ein Subcomandante der EZLN (Zapatistische nationale Befreiungsarmee) auf den Weg, um in der Hauptstadt Mexico D.F. Verhandlungen mit Parlamentariern ueber die Umsetzung der Rechte der indigenen Bevoelkerung in Mexico zu fuehren.  Begleitet wurde der Bus der Rebellen von einer grossen Karawane an BegleiterInnen aus Mexiko, Europa und den USA. Einen  Eindruck von deutschen BegleiterInnnen, die mit einem Bus mexikanischer Basisorganisationen dabei waren, will nachfolgender Artikel vermitteln.

Nehmen wir es vorweg: die beiden wichtigsten Erlebnisse unserer Reise waren zum einen sicherlich die Begeisterung und das solidarische Verhalten der Bevoelkerung an den Strassen und auf den Plaetzen, die die Karawane passierte bzw. wo sie Halt machte. Zum anderen war es sehr spannend, Menschen aus Basisorganisationen der Stadt México waehrend einer Woche zu erleben: Die MUP (Movimiento Urbano Popular) begleitete die Karawane mit zwei Bussen. Sie ist ein Verbund von 26 sozialen Organisationen, die Gruppen von Land- und Wohnungssuchenden beherbergen und sie rechtlich und technisch darin unterstuetzen, Wohnungsbaukooperativen zu gruenden und Wohnanlagen zu bauen. Daneben fuehren sie auch Schulungen von politischem oder geschichtlichem Unterricht bis zu Computerkursen durch. Deren Mitglieder, die mit uns im Bus fuhren, kommen groesstenteils aus der unteren Schicht, sind ambulante Verkaeufer, Angestellte, Taxistas oder Krankenschwestern, eben die, die taeglich die ungleiche Verteilung verspueren. Deshalb vermissten sie es auch manchmal, als politisch Aktive sozialer Organisationen, von der EZLN als solche direkter angesprochen zu werden. Sie verschwanden in der schwammigen Masse des Ausdruckes der "Zivilgesellschaft", wie die sich solidarisierenden Menschen von der EZLN bezeichnet werden. Dennoch zeigten sie sich ungebrochen solidarisch mit der EZLN und stellten ihre eigenen Belange und Forderungen zurueck. Natuerlich erhoffen sie sich dabei auch, -die "Wie geht es weiter?"-Frage macht auch vor Mexico nicht halt- durch die grosse Sympathiewelle mit der EZLN einen politischen Aufschwung fuer ihre Organisationen.

Interessant waren waehrend der Fahrt durch 12 der 32 Bundesstaaten auch die Reden, allerdings nicht nur die vom "Sub", sondern oft gerade die kaempferisch bis verzweifelten Beitraege der Menschen vor Ort.  Herausheben moechten wir hier die Mutter von ERIKA ZAMORA, die die Situation der Indígenas und den strukturell-ungerechten Umgang des Staates mit ihnen, anhand des Schicksals ihrer Tochter beschrieb: ERIKA war mit anderen Studierenden aktiv bei der Alphabetisierung indigener Gemeinschaften in Guerrero. Nach dem Massaker von Aguas Blancas 1985 , bei dem 17 Bauern vom Militaer getoetet wurden, wurden sie und ROBERTO ESPINOSA festgenommen und sitzen seitdem im Knast. 

Der auch schon vorher gerufene Slogan "Presos politicos-libertad!" ("Freiheit fuer die politischen Gefangenen") wurde selbstverstaendlich von unseren BusmitfahrerInnen (und auch von den Menschen an den Strassen) gerufen, nicht nur nach dieser Rede, sondern waehrend der gesamten Karawane. Die Comandancia verhielt sich in der Regel nicht direkt zu den Beitraegen oder zu anderen politischen Gruppen.  Dies war zum einen Teil ihrer politischen Strategie beim diesem Marsch, entspricht zum anderen aber ihrem Verstaendnis nur fuer sich selber und nicht fuer andere reden zu koennen. Allerdings war alleine die Auswahl der Orte, durch die die Zapatour kam, fuer die ansaessigen Gruppen eine oeffentlichkeitswirksame Moeglichkeit, sich zu aeussern und zu zeigen, dass die Zapatistas weder die einzigen noch alleine sind. Da ueberraschte wiederum die Danksagung des Subcomandante Marcos an drei der bewaffneten Gruppen in Guerrero (der Farp, Erpi und EPR) fuer die Erleichterung der Reise der EZLN durch diesen Bundesstaat.

Waehrend unserer Fahrt durch das Land erfuhren wir eine Menge davon, wie die 56 verschiedenen indigenen Volksgruppen, die mindestens 10% der Gesamtbevoelkerung ausmachen, leben. Wir erfuhren von dem Rassismus ihnen gegenueber1, von der Armut, von den fehlenden sozialen Einrichtungen auf den Doerfern, wie z.B. Schulen oder Krankenstationen.  Auf dem Weg nach Querétaro ereignete sich auf der Autobahn ein Unfall oder wie man munkelte, ein Attentat. Bei einem Bus der begleitenden Karawane versagten die Bremsen, er rammte mehrere begleitende PKWs, vier Leute der Karawane wurden verletzt, ein Polizist starb. Sofort bildeten die vorderen Busse schuetzende Ketten um den Bus der Comandancia. Die hinteren Busse erfuhren erst sehr viel spaeter von dem Unfall. Dies lag vor allem an dem mangelndem Informationsfluss innerhalb der Karawane. 

Am zweiten Fahrtag wurde zwar das erste Mal ein Koordinationstreffen unter den Bussen organisiert, um, besser informiert und aktiver handelnd, mehr zu sein als nur der Schwanz der vorausfahrenden Comandancia. Trotz der dann folgenden abendlichen Treffen der Kontaktpersonen der Busse, kamen viele Informationen erst spaet oder gar nicht bei uns an. Nach dem Unfall waren wir durch die Verspaetung gezwungen, im Stadion von Querétaro zu schlafen. Das behagte niemandem sehr, da der ultrarechte Gouverneur Ignacio Loyola Vera im Rahmen der Vorfeldhetze die Todesstrafe fuer Marcos forderte. 

Auf dem dortigen Zócalo hatte Marcos ihm in einer scharfen Rede geantwortet. Er verglich ihn mit dem reaktionaeren Gouverneur Queréteros, der regierte, als Kaiser Maximilian dort von den Truppen Benito Juárez hingerichtet wurde und bedeutete ihm, dass damals schon die Rebellen den laengeren Atem hatten.
Der Unfall blieb aber, neben dem Verschwinden von den sieben Bussen der Gruppe "Ya Basta" aus Italien waehrend einer Nacht-und Nebel Aktion in Oaxaca, die Busfahrer behaupteten, die Italiener haetten nicht bezahlt und fuhren deshalb zurueck, der einzige groessere Vorfall waehrend der Zapatour. Die Italiener organisierten sich neue Busse und weiter ging es mit ihnen.

Und so fuhren wir weiter von Zócalo zu Zócalo, die Akte spielten sich meist nach dem gleichen Muster ab: Neben dem Singen der mexikanische Nationalhymne und der Hymne der Zapatisten (haeufig begleitet von Comandante Gustavo auf der Gitarre) gab es diverse Redebeitraege und Solidaritaetsbekundungen der Ortsgruppen, dannach redeten verschiedene Mitglieder der Comandancia und zum Schluss Subcomandante Marcos, der ueberall euphorisch begruesst und prophetengleich bejubelt wurde.

Fuer uns endete die Begleitung der Zapatisten in Nurio beim dritten Nationalen Kongress der Indígenas. Die Karawane ging dann noch einige Tage ohne uns weiter. Wir stiegen erst in México D.F. wieder in den Bus, um gemeinsam mit den anderen auf den Zócalo der Hauptstadt zu fahren, wo 200.000 Menschen die EZLN Delegation begruessten.


1) z.B. war es, wie uns eine Mitfahrerin erzaehlte, bis zum Angriff der EZLN in Chiapas ein ungeschriebenes Gesetz, dass Indígenas nicht auf dem Buergersteig, sondern mit gebeugtem Kopf auf der Strasse gehen; im Staate Puebla, der direct an México D.F. grenzt, also nicht irgenwo im vergessenem Sueden liegt, war es bis in die 80er ueblich, dass ein Grossgrundbesitzer bei der Hochzeit "seiner Indios" die Frau in der Hochzeitsnacht entjungferte

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