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Abschied von Carlos Flaskamp

Am 2. Juni 2017 ist unser Freund und Genosse Carlos Flaskamp im Alter von 78 Jahren in Buenos Aires verstorben

Carlos war als linksperonisitischer Aktivist und Guerillero in Argentinien zweimal im Gefängnis, zwischen 1971 und 1973 unter der vorletzten Militärdiktatur und dann von 1976 und 1979 unter der letzten zivil-militärischen Diktatur. Weil er deutsche und irische Vorfahren hatte, erhielt er während seiner zweiten Inhaftierung die deutsche Staatsbürgerschaft. Dadurch kam er 1979 frei und und konnte nach Köln ausreisen, wo er mehr als 18 Jahre lebte. Er arbeitete als Packer bei Bayer in Leverkusen und war in der Solidaritätsarbeit aktiv. 1990 gehörte er zu den Mitbegründern der ila-latina, der spanisch-/portugiesischsprachigen Beilage der ila, die zwischen 1990 und 2002 insgesamt 34 Mal erschien.

Nach seiner Rückkehr nach Buenos Aires 1999/2000 schrieb er häufig für die ila über die politische Entwicklung in Argentinien. Er bestritt zum Beispiel unsere damals relativ breite Berichterstattung über die Krise und Revolte der Jahre 2001/2002. Seinen letzten ila-Artikel schrieb er im April 2016 über die ersten Maßnahmen der Regierung Macri.

In den neunziger Jahren war Carlos regelmäßig im ila-Büro. Auch wenn wir über seinen Linksperonismus immer sekr kontrovers diskutiert und gestritten haben, haben wir Carlos als sehr eigenständigen politischen Denker, als jemand, der zupacken konnte, wann und wo es nötig war, und als bescheidenen Menschen mit einem ganz eigenen, trockenen Humor sehr geschätzt und gemocht.

Im Folgenden drei Links zu Texten von und über Carlos:

Im September 1995 führten wir mit ihm ein Interview über sein bewegtes politisches Leben. Was er erzählte, war so spannend, dass wir sämtliche Platzvorgaben über den Haufen warfen. Mit zehn ila-Seiten in der ila 188 war das Interview der längste Einzelbeitrag, der jemals in der ila erschienen ist: https://www.ila-web.de/ausgaben/188/im-knast-erfuhr-ich-da%C3%9F-ich-deutscher-bin

2002 veröffentlichte Carlos in Argentinien das Buch „Organizaciones Político-Militares. Testimonio de la lucha armada en la Argentina (1968-1976)“, das für einige linke Diskussionen in der argentinischen Linken sorgte. Carlos war der Meinung, dass es notwendig sei, dass die argentinische Linke und speziell die linken PeronistInnen ihre politischen Strategien der Jahre 1968 und 1976 kritisch analysieren müssten, und wollte seinen Beitrag dazu leisten. Alicia Rivero hat das Buch in der ila 263 besprochen: https://www.ila-web.de/ausgaben/263/erinnerungen-eines-revolution%C3%A4rs

Und hier noch der Link zu Carlos letztem ila-Artikel in der ila 394: https://www.ila-web.de/ausgaben/394/wende-in-argentinien