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AI URGENT ACTION - BITTE SCHREIBEN SIE

Am 10. und 11. Januar gingen argentinische Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Mapuche vor, die in der Gemeinde Cushamen in der Provinz Chubut leben.

AMNESTY INTERNATIONAL - URGENT ACTION - GEWALT GEGEN INDIGENE IN ARGENTINIEN - BITTE SCHREIBEN SIE 

Am 10. Januar riegelten mehr als 200 Angehörige der argentinischen Gendarmerie alle Zugangswege zu dem Land der Mapuche-Gemeinde (Lof) Cushamen in der Provinz Chubut im Süden Argentiniens ab. Zudem kam es zu Übergriffen durch die lokale Polizei. Die Bewohner_innen der Mapuche-Gemeinde erstatteten daraufhin Anzeige wegen Gewalt und Repressalien, darunter Schläge (u. a. durch Schlagstockeinsatz), Gewalt gegen Frauen und Drangsalierung von Kindern. Frauen und Kinder berichteten, dass sie Schutz in der traditionellen Ruca (Gemeinschaftshaus) suchten, die Gendarmen sie jedoch dort einschlossen und sich dann gewaltsam Zutritt verschafften. Berichten zufolge habe die Anwesenheit der bewaffneten Männer die Kinder stark verängstigt, Frauen seien über den Boden geschleift worden, Häuser seien zerstört und Vieh gestohlen bzw. getötet worden.

Zehn Gemeindemitglieder bzw. ihnen nahestehende Personen wurden festgenommen. In diesem Gebiet schwelt seit Längerem ein Landkonflikt. Am 10. Januar hatte der Bundesrichter Guido Otranto angeordnet, Blockaden zu entfernen, die auf den Straßen entlang der Schienen des alten Patagonia Express, auch bekannt als "La Trochita"-Eisenbahn, errichtet worden waren, um die Eisenbahn zu behindern, die bei Tourist_innen beliebt ist. Die Absicht war jedoch lediglich die Beseitigung der Barrieren und nicht die Räumung der Gemeinde. Das Vorgehen der Sicherheitskräfte stand in keinem Verhältnis zu der gerichtlichen Anordnung. Zudem mangelte es dem Einsatz an wirksamer gerichtlicher Kontrolle und die Sicherheitskräfte gingen gewaltsam vor und verübten Menschenrechtsverletzungen. Am 11. Januar griff die Lokalpolizei der Provinz Chubut die Mapuche-Gemeinde erneut an, diesmal ohne jegliche gerichtliche Anordnung. Bewohner_innen der Gemeinde berichteten, dass die Beamt_innen Schüsse abfeuerten und mehrere Personen verletzten, einige von ihnen schwer. Eine Person trug einen Kieferbruch, eine andere einen mehrfachen Schädelbruch davon.

Es liegen Videoaufzeichnungen vor, auf denen zu sehen ist, wie Polizist_innen einige Frauen durch Schüsse verletzen. Amnesty International fordert die argentinische Regierung auf, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die unverhältnismäßige Gewalt gegen Männer, Frauen und Kinder angewendet und Menschenrechtsverletzungen begangen haben.