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Buchtipp: „Wir Flüchtlinge“ von Hannah Arendt

Schon 1943 erschienen zeigt ihr Essay aber erst heute seine eigentliche Sprengkraft

„Wir haben unsere Sprache verloren und mit ihr die Natürlichkeit unserer Reaktionen, die Einfachheit unserer Gebärden und den ungezwungenen Ausdruck unserer Gefühle. Unsere Identität wechselt so häufig, dass keiner herausfinden kann, wer wir eigentlich sind. [...] und das bedeutet den Zusammenbruch unserer privaten Welt.“ Hannah Arendt

„Es bedeutet den Zusammenbruch unserer privaten Welt“
1933 floh die politische Theoretikerin Hannah Arendt aus Deutschland. Zehn Jahre später veröffentlichte sie den Artikel „We refugees“. Ausgehend von ihrem eigenen Schicksal als Flüchtling entwickelte sie hier erstmals ihre These, wonach Menschsein das Recht bedeutet, Rechte zu haben.

Thomas Meyer 
Deutschlandfunk 20.12.2015

Arendt, Hannah: Wir Flüchtlinge [Was bedeutet das alles?]
Mit einem Essay von Thomas Meyer

8. Aufl. 2018  Übers.: Geisel, Eike 64 Seiten,  Reclam  ISBN: 978-3-15-019398-3

 

Hannah Arendts 1943 erschienener Essay wurde lange Zeit ignoriert, erst 1986 übersetzt – und zeigt erst heute seine eigentliche Sprengkraft: Aus unmittelbarem eigenem Erleben bezweifelte Arendt, dass Staaten überhaupt noch in der Lage sind, Flüchtlingsprobleme zu bewältigen, da die Nationalsozialisten die Idee des schützenden Nationalstaats unmöglich gemacht haben. Ähnlich wie bei Eichmann in Jerusalem brachte ihr diese These Schwierigkeiten mit zionistischen Strömungen ein, die Israel als Rettungsinsel genau in diesem Sinne sehen wollten. Der Essay von Thomas Meyer unterstreicht die Relevanz des Textes im Zusammenhang mit der heutigen Flüchtlingsdebatte.