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DOKfest München: Lateinamerikanische Filme zuhause

Das Festival bringt 121 internationale Dokumentarfilme in die Wohnzimmer, ebenso Filmgespräche und Live-Events. Auch neun Produktionen aus Lateinamerika sind Teil des Programms und können ab dem 7. Mai 2020 gestreamt werden.

Neue Situationen erfordern neue Strategien. Während die Internationalen Filmfestspiele in Cannes verschoben werden und das Filmfest München 2020 abgesagt worden ist, hat sich das DOKfest München in diesem Jahr für eine @home-Edition entschieden. Das Festival bringt 121 internationale Dokumentarfilme in die Wohnzimmer, ebenso Filmgespräche und Live-Events. Auch neun Produktionen aus Lateinamerika sind Teil des Programms und können ab dem 7. Mai 2020 gestreamt werden.

Besonders eindrücklich ist Silence Radio (Schweiz 2019) von Juliana Fanjul, der in der Sektion DOK.horizonte läuft. Der Film begleitet die mexikanische Journalistin Carmen Aristegui, nachdem sie aufgrund eines kritischen Berichts von ihrem Radiosender entlassen wurde. Mit einem kleinen Team ebenso unerschrockener Journalisten setzt sie ihren Kampf gegen korrupte Politiker und die Drogenkartelle fort – ein beeindruckendes Portrait über eine mutige Frau, über das aktuelle Mexiko und darüber, wie Politik bestimmt nicht nur in Mexiko gemacht wird.

Aus Mexiko erzählen außerdem Luke Lorentzen in Midnight Family (Mexiko/USA 2019) sowie der chinesische Künstler Ai Weiwei in Vivos (Deutschland 2020), einem Film zur Entführung und vermutlichen Ermordung von 49 mexikanischen Studierenden in Ayotzinapa durch Polizeikräfte und andere maskierten Angreifer. In eindrucksvollen Bildern und intimen Interviews beschreibt der Filmemacher die Geschichten der Opfer und ihrer Angehörigen.

Darüber hinaus werden Filme aus Argentinien, Brasilien und Kolumbien gezeigt. Die dänische Dokumentation Songs of Repression von Estephan Wagner und Marriane Hougen-Moraga berichtet aus der „Villa Baviera“ im Süden Chiles, auf dem Gebiet der berüchtigten deutschen „Mustersiedlung“ Colonia Dignidad. Wo zur Zeit des Pinochet-Regimes hunderte Menschen isoliert, geschlagen und ermordet wurden, sollen sich heute Touristen wohlfühlen, doch die Vergangenheit lässt sich nicht so einfach ungeschehen machen.

Über die Website www.dokfest-muenchen.de/Filme können – von Deutschland aus – Filme ausgewählt, online bezahlt und ab 7. Mai 2020, 10 Uhr, abgerufen werden. Filme aus und über Lateinamerika finden sich unter dem Hashtag #Lateinamerika. Ein Ticket kostet 4,50 Euro; ein Festivalpass für 50 Euro erlaubt die unbegrenzte Sichtung des Programms.

Es ist ein neues Format, aber eins bleibt gleich: Auf dem DOKfest wird man auch in diesem Jahr wieder von beeindruckenden und nachdenklich machenden Dokumentarfilmen überrascht und begeistert werden.

Verena Schmöller