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Freiheit für Asli Erdogan!

Die bekannte türkische Autorin wurde ein Opfer der Verhaftungswelle in der Türkei

In der ila 347 (Juli/August 2011) hatten wir das Buch „Die Stadt mit der roten Pelerine“ der türkischen Autorin Asli Erdogan vorgestellt (s.u.), ein starker Roman über die Lebens- und Gewaltverhältnisse in Rio de Janeiro. Asli Erdogan hatte in den 90ern einige Jahre in der Metropole am Zuckerhut gelebt und dort an der Uni gearbeitet. Ihr Roman ist einerseits ein schonungsloses Portrait einer von sozialer Apartheid geprägten Stadt und gleichzeitig eine radikal ehrliche Reflexion über die Konfrontation mit dem Fremden, dem Anderen.

Dass Asli Erdogan damals nach Brasilien gegangen war, war ihre Entscheidung, dass sie die Türkei verlassen hatte, lag an den politischen Verhältnissen in ihrem Heimatland. Sie war dort inhaftiert gewesen und hatte Folter und entwürdigende Behandlung erlitten.

Vor ihrer Emigration hatte sie noch zwischen ihrem Beruf als Atomphysikerin und ihrem Drang zur Literatur geschwankt, in Brasilien wurde sie endgültig zur Schriftstellerin. Nach ihrer Rückkehr widmete sie sich ganz dem Schreiben. Sie wurde zu einer der wichtigsten türkischen AutorInnen. Neben ihren Romanen, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde, veröffentlichte sie regelmäßig in der linksliberalen Tageszeitung Radikal und der prokurdischen Zeitung Özgür Gündem Kolumnen und Kommentare zu Menschenrechts-verletzungen, Polizeigewalt, Folter und den Zuständen in den türkischen Gefängnissen.

Am 16. August 2016 wurde die Zeitung Özgür Gündem geschlossen und 21 MitarbeiterInnen, darunter Asli Erdogan, wurden verhaftet. Das islamistisch-konservative türkische Regime nahm den versuchten Militärputsch, für den es die ebenfalls islamistische Gülen-Bewegung verantwortlich machte, als Vorwand, um gegen alle kritischen, linken und vor allem laizistischen Kräfte vorzugehen.

Inzwischen wurde Asli Erdogan dem Haftrichter vorgeführt und wegen „Volksverhetzung“ und „Propaganda für eine illegale Organisation“ (gemeint ist die „Kurdische Arbeiterpartei“) angeklagt. Einige Tage nach ihrer Festnahme gelang es mutigen KollegInnen der selbst massiv unter Druck stehenden Oppositionszeitung Cumhuriyet, über Mittelsleute ein Interview mit Asli Erdogan zu führen, das am 26. August 2016 in der Zeitung veröffentlicht wurde. Darin berichtet die Autorin, dass sie nicht misshandelt würde, sie bekäme aber nicht ausreichend Trinkwasser und ihr würde die notwendigen Medikamente gegen ihre beginnende Diabetes verweigert.

Inzwischen haben sich zahlreiche AutorInnen für die Freilassung ihrer Kollegin Asli Erdogan eingesetzt, darunter der internationale PEN-Club und der Kölner Schriftsteller Günter Walraff. Auch die ila-Redaktion fordert die sofortige Freilassung der engagierten Autorin und Menschenrechtsverteidigerin, der mit ihr verhafteten MitarbeiterInnen von Özgür Gündem, der zahlreichen inhaftierten JournalistInnen und aller politischen Gefangenen in der Türkei!

Zahlreiche Lateinamerikanische AutorInnen unterstützen einen Aufruf zur Freilassung von Asli Erdogan: http://www.diken.com.tr/tutuklu-yazar-icin-bir-destek-de-fransadan-asli-erdoganin-serbest-birakilmasini-bekliyoruz/

 

Asli Erdogan: Die Stadt mit der roten Pelerine, Übersetzung: Angelika Gillitz-Acar und Angelika Hoch. Mit einem Nachwort von Karin Schweißgut, Unionsverlag, 2. Auflage, Zürich 2008, 204 Seiten, 19,90 Euro