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Herzlichen Glückwunsch zum 200. Geburtstag, lieber Karl

Interview mit dem haitianischen Regisseur Raoul Peck über seinen Film „Der junge Karl Marx“

Wofür steht das Bild von Karl Marx heute und welche Aspekte des jungen Marx möchten Sie in Ihrem Film transportieren?

Zunächst hab ich das gewöhnliche Marxbild von dem alten bärtigen Mann auf der Büste weggelassen, das hat nichts mit der Realität zu tun. Es ist das Resultat dessen, was ich als das größte politische Kidnapping des 20. Jahrhunderts bezeichne. Der junge Marx war nie dogmatisch, er war sehr stark in Ideen, Argumentationen waren wichtig für ihn, er hat sich Mühe gemacht, seine Position zu begründen, und zwar gründlich. Natürlich war er oftmals auch ungeduldig mit der Leichtigkeit von gewissen Positionen und Haltungen, die auf heißer Luft gegründet haben. Doch all diese Elemente haben nichts zu tun mit dem bärtigen Mann, der uns als Dogmatiker präsentiert wird.   Weiterlesen

Aus ila 404 (April 2017) S. 57–61