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Solidarität mit Chile – für die Fotograf*innen der ersten Reihe

Damit die Fotoreporter*innen weiter arbeiten und zumindest einige der zerstörten Kameras und Objektive ersetzen können, haben wir diese Unterstützungs- und Spendenaktion gestartet.

Proteste von Schüler*innen gegen eine Fahrpreiserhöhung der Metro von Santiago de Chile am 18. Oktober 2019, auf die mit extremer Polizeigewalt geantwortet wurde, waren Auslöser für einen Aufstand, der sich über das ganze Land ausgebreitet hat. Millionen Menschen gehen gegen die neoliberale Politik von Privatisierung und Verarmung auf die Straße, die mit der Pinochet-Diktatur durchgesetzt und in den 30 Jahren nach der Diktatur auf die Spitze getrieben wurde: Gegen miserable Renten, unbezahlbare Bildung oder ein Gesundheitssystem für Reiche. 2018 starben über 26.000 Menschen, während sie auf einer Warteliste für Operationen und Behandlungen standen.

Gegen den Protest geht die ultrarechte Regierung mit äußerster Brutalität und Repression vor. Ausführendes Organ sind die berüchtigten Carabineros. Die Menschenrechtsorganisation der UNO oder auch Amnesty International gehen von systematischen Menschenrechtsverletzungen aus und konnten Foltervorwürfe gegen Polizeikräfte bestätigen. Es gibt inzwischen 27 Tote, und mehr als 350 Menschen haben Augenverletzungen erlitten, weil die Polizei gezielt mit Schrotkugeln oder Gasgranaten auf die Köpfe von Demonstrant*innen schießt. Die Repression betrifft nicht zuletzt die wenigen unabhängigen Journalist*innen, die in dieser gefährlichen Situation noch versuchen, Übergriffe zu dokumentieren. So geraten auch Fotograf*innen immer wieder ins Visier derartiger Angriffe. Einige haben ernsthafte Verletzungen erlitten, anderen wurden Kameras und Objektive zerstört.

Dies sind nach Einschätzung von Fotograf*innen keine Zufälle oder Exzesse einzelner Carabineros. Sie gehen davon aus, dass die Verletzungen und Zerstörungen beabsichtigt sind und auf Befehl von oben geschehen. Die Angriffe hängen u.a. damit zusammen, dass die Reporter*innen mit ihren Kameras die Primera Línea, die Aktivist*innen der ersten Reihe bei Demonstrationen begleiten. Gegen Polizeiangriffe mit Gasgranaten, Wasserwerfern und Schußwaffen geht die Primera Línea immer wieder massiv vor und schützt damit die große Gruppe von Demonstrant*innen. Dies gelang beispielsweise am 13. 12. 2019 als sich Hundertausende Demonstrant*innen im Zentrum von Santiago versammelten. An diesem Tag waren wir selbst vor Ort und konnten die heftigen Straßenschlachten am Rand der Großkundgebung beobachten. (Siehe https://www.labournet.de/?p=159572.

Weitere Informationen in den nächsten Ausgaben der Zeitschriften ila und ak: http://ila-web.de/ https://www.akweb.de/) Damit die Fotoreporter*innen weiter arbeiten und zumindest einige der zerstörten Kameras und Objektive ersetzen können, haben wir diese Unterstützungs- und Spendenaktion gestartet. Dabei ist jede, auch kleine Spende und jede sonstige Form der Unterstützung willkommen.

Alix Arnold / Rolf Satzer - Köln im Januar 2020