ila

Sonst ist irgendwann Schluss!

Unsere Situation ist, wie die vieler anderer kritischer Initiativen und Projekte, nicht einfacher geworden. Wir stoßen immer öfter an unsere Grenzen, uns fehlen aktive Mitarbeiter*innen, Abonnent*innen und Geld. Was tun!?

Bonn, im November 2019

Liebe Leser*innen und Freund*innen der ila,

in Lateinamerika ist derzeit vieles in Bewegung. Nach einer Phase mit positiven Wirtschaftsdaten, einem Rückgang der Armut und einem gesteigerten Konsumniveau herrscht in den meisten Ländern wieder Krisenstimmung. Die Wachstumsraten stagnieren, mehrere Länder sind inzwischen in einer tiefen Rezession. Die Mitte-Links-Regierungen, die durch eine aktive Sozialpolitik auch den armen Bevölkerungsschichten einen – bescheidenen – Anteil am gewachsenen gesellschaftlichen Reichtum ermöglicht haben, wurden, seit es weniger zu verteilen gab, nach und nach abgewählt oder halten sich nur noch durch Trickserei an der Macht.

In der Mehrzahl der Länder amtieren jetzt wieder rechte Regierungen. Wirtschaftspolitisch ist deren bisherige Bilanz mehr als dürftig. Sie bedienen vor allem ihre wohlhabende Klientel. Gleichzeitig nehmen Repression und Gewalt der „Sicherheitskräfte“ zu. Nach dem Ende der Phase der hohen Rohstoffpreise auf den Weltmärkten zwischen 2000 bis 2015 zeigt sich, dass auch die jüngste Wachstumsphase kein Einstieg in ein neues ökonomisches Modell in Lateinamerika war, sondern in weiten Teilen nur eine Neuauflage des alten Rohstoffexportmodells, das immer mal wieder Boomphasen hatte, aber letztlich die (neo-)koloniale Abhängigkeit Lateinamerikas stets fortgeschrieben hat. Auch die linken beziehungsweise sozialdemokratischen Regierungen mit ihren vor allem auf Stärkung und Ausbau der Staatsapparate zielenden Konzepten wollten und konnten an diesem Modell wenig ändern.

Dass heute wieder rechte Regierungen auf dem Kontinent den Ton angeben, heißt aber keinesfalls, dass der Kontinent „befriedet“ wäre. In den letzten Wochen gab es gleich in drei Ländern (Haiti, Chile und Ecuador) Aufstände gegen Politiken, die permanent mehr Armut und mehr Ungleichheit produzieren. Auf den ersten Blick scheinen die Rebellionen Abwehrschlachten gegen unsoziale Programme der jeweiligen Regierungen zu sein, aber einiges deutet darauf hin, dass es um mehr geht. Neuauflagen der abgewählten Mitte-Links-Regierungen dürften den Protestierenden kaum genügen, auch wenn am 26. Oktober die Wähler*innen in Argentinien genau dafür votiert haben. Wie sich die neuen Protestbewegungen weiter entwickeln und welche politisch-ökonomischen Modelle sich daraus ergeben können, ist noch nicht absehbar.

Wir möchten diese Entwicklungen solidarisch begleiten und gemeinsam mit unseren Leser*innen verstehen, was in Lateinamerika abgeht und wie solidarische Menschen in Europa soziale Prozesse dort unterstützen können. Voraussetzung dafür ist aber, dass die ila weiter existieren kann. Unsere Situation ist, wie die vieler anderer kritischer Initiativen und Projekte, in jüngster Zeit nicht einfacher geworden. Wir stoßen immer öfter an unsere Grenzen, uns fehlen aktive Mitarbeiter*innen, Abonnent*innen und Geld. Deshalb brauchen wir die Hilfe unserer Leser*innen. Nur sie können andere auf uns aufmerksam machen, sie zur Mitarbeit in der ila oder für die Lektüre unserer Zeitschrift interessieren und/oder uns finanziell unterstützen.

In diesem Sinne freuen wir uns auch in diesem Jahr über Spenden (Spendenkonten bei der Postbank Köln: IBAN DE89 3701 0050 0058 3995 01 oder Sparkasse Köln Bonn: IBAN DE65 3705 0198 1934 9412 77). Und über neue Abos, sonst ist irgendwann Schluss mit dem Projekt ila.

Mit solidarischen Grüßen für die Redaktion Britt Weyde & Gert Eisenbürger