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TV-TIPP: Sieg unter Folter

Argentinien gewann 1978 den Titel während einer der brutalsten Diktaturen Lateinamerikas. Leider fehlt die unrühmliche Rolle der damaligen Bundesregierung (SPD/FDP), der Rüstungsgeschäfte wichtiger waren als Menschenleben zu retten.

Sieg unter Folter
​Immer wieder missbrauchen Gastgeberländer Fußball-Weltmeisterschaften als politisches Machtinstrument. Argentinien gewann 1978 den Titel während einer der brutalsten Diktaturen Lateinamerikas.
07.07.2018 | 29 Min. | UT | Verfügbar bis 06.07.2019 | Quelle: Das Erste

Leider fehlt in der Dokumentation jeder Hinweis zur Rolle der damaligen Bundesregierung (SPD/FDP) : 

»... Die bundesdeutsche Politik zielte darauf, die Diktatur zu stabilisieren. So erklärte Karl Moersch, Staatsminister im Auswärtigen Amt (AA), nach einer Südamerikareise, die Bundesrepublik müsse Argentinien – gemeint ist das Militärregime – „mit Geduld und Verständnis“ begegnen. Würden die rechten Diktaturen destabilisiert, drohe die Gefahr eines „marxistischen Gegenschlages ...«

»... In einem Fernschreiben ans AA äußerte der damalige deutsche Botschafter am 7. Juli 1977 die Befürchtung, der Rüstungsauftrag (Panzer für die Militärs) geriete in Gefahr, wenn Argentinien „in die Schusslinie“ von Menschenrechtskritikern käme ...«

»... Gegenüber Kritiker*innen, etwa der von der ila koordinierten Kampagne „Fußball ja – Folter nein“ im Vorfeld der WM 1978 in Argentinien, argumentierte die Bundesregierung damals, sie betriebe „stille Diplomatie“, die den Betroffenen viel mehr helfe als eine Brüskierung der argentinischen Regierung. Dorothee Weitbrechts Auswertung (Argentinien und das schwierige Erbe der deutschen Diplomatie) der entsprechenden Akten legt nahe, dass diese Diplomatie extrem still gewesen sein muss und dass das AA – vorsichtig ausgedrückt – sehr wenig getan hat, um die von der Diktatur verschleppten deutschen Staatsangehörigen oder Kinder deutsch-jüdischer Flüchtlinge zu retten  ...«

aus:  Das AA und die argentinische Diktatur – Neue Erkenntnisse über die „Zurückhaltung“ des Auswärtigen Amtes  in der ila 368 (September 2013)